Naturstein liegt natürlich nicht fertig behauen und im richtigen Maß in der Landschaft herum. Die Steine müssen hergestellt und weiterverarbeitet werden. Rohstoff für die späteren Polygonal- und Formatplatten sind Steine, wie sie in der Natur vorkommen. Diese werden in Steinbrüchen gefördert oder aus Findlingen geschlagen. Auch Lesesteine sind ein wertvoller Baustoff zum Errichten von Häusern und Mauern.
Es gibt in Deutschland zwar diverse Gesteinsvorkommen, doch die großen Steinbrüche liegen meist außerhalb von Europa in China, Indien, Südafrika oder der Türkei. Aber auch Italien, Spanien und Skandinavien können mit Steinbrüchen aufwaten.
In Steinbrüchen werden besonders Granit, Basalt, Marmor, Schiefer und Kalkstein abgebaut. Im Idealfall sind die Gesteinsschichten bereits so strukturiert, dass sie dem gewünschten Format schon recht nahe kommen. Zufällig geschlagene Platten, die sogenannten Polygonalplatten, haben eine unregelmäßige Form – sie sehen weitestgehend noch so aus, wie sie aus dem Steinbruch geschlagen wurden. Formatplatten hingegen müssen weiterverarbeitet werden, bis sie die gewünschten Maße haben.
Auch die Oberfläche der von Natur aus spaltrauen Steine kann bearbeitet werden. Dabei können von polierten über geschliffene, gestockte, getrommelte und sandbestrahlten bis zu geflammten Oberflächen die verschiedenen Anforderungen an den Stein, je nachdem, wo er verwendet werden soll, berücksichtigt werden.
Findling sind Relikte der letzten Eiszeit – damals wurden die gigantischen Steine von Gletschern in ihre heutige Lage transportiert. Dementsprechend findet man sie in Landschaften, die glazial überformt wurden, wie zum Beispiel im Alpenraum oder in Skandinavien.
Wie aber gelangte der Findling in oder unter den Gletscher? Dieser nahm entweder einen bereits lose liegenden Stein auf oder er brach die großen Steinbrocken durch Anfrieren aus dem Gletschergrund. Da der Gletscher das transportierte Material, welches von feinem Sand bis hin zu den riesigen Findlingen reicht, nicht sortiert, finden wir heute meist ungeschichtete Ablagerungen.
Im nördlichen Mitteleuropa sind die meisten Findlinge aus magmatischem Gestein, zum Beispiel aus Granit. Aber auch Findlinge aus metamorphem Gestein, also Gestein, welches – wie in diesem Fall – durch hohen Druck verändert wurde. Marmor ist beispielsweise ein metamorphes Gestein.
Lesesteine sind kleinere und mittelgroße Steine, die durch Erosion und andere bodenmechanische Vorgänge an die Erdoberfläche gefördert wurden. Lesesteine werden sie genannt, weil sie vom Boden „aufgelesen“ werden können und – bei landwirtschaftlich genutztem Boden – müssen. Anders als bei den Findlingen handelt es sich bei Lesesteinen um einen „nachwachsenden“ Rohstoff, da immer wieder neue Steine an die Oberfläche gebracht werden.
Lesesteine sind seit dem Mittelalter ein wertvoller und viel genutzter Baustoff. Vor allem in ländlichen Gebieten wurden Häuser, Ställe und andere Gebäude aus ihnen errichtet. Besonders häufig kann man Lesesteine als Grenzmäuerchen zwischen Feldern und Weiden sehen, wie es zum Beispiel auf den Britischen Inseln zum typischen Landschaftsbild gehört.